Demontage

Bevor ich die Bestellung der Teile losschicke, möchte ich schon mal anfangen zu demotieren, bei manchen Teilen bin ich mir nicht sicher, ob ich sie wirklich erneuern muss. Ein ausgedrucktes Reparaturhandbuch habe ich zwar, aber je weniger ich darin später herausfinden muss wo was hingehört, desto besser. Ich versuche soweit möglich alle Schrauben und Muttern an den Stellen wieder mit der Hand einzudrehen, wo ich sie hergenommen habe, Kabel zu beschriften und zusammengehörige Teile auch so zu lagern.

Verkleidung, Tank und Anbauteile

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Die Verkleidungsteile und der Tank lassen sich bei der GS ganz einfach ohne Werkzeug abnehmen. Die Vekleidungseteile sind eingeklemmt in Gummi-Halterungen, der Tank hat unter dem vorderen Teil der Sitzbank einen Haken, der sich mit der Hand öffnen lässt. Jedenfalls hat er das wahrscheinlich mal getan, als er neu war. Nach 20 Jahren ist irgendwas zum hebeln hilfreich.

Alle lackierten Teile werden weit wegeräumt, Kratzer und Dellen hat das Motorrad nun wirklich genug. Bis auf ein paar Kratzer im Tank (keine Dellen) und dem gebrochenen Windabweiser scheint alles in Ordnung zu sein.

Die Sturzbügel sind jeweils an mehreren Punkten am Rahmen befestigt. Durch den Aufprall sind die Klammern recht verbogen, was etwas komplizierter macht die Schrauben zu lösen.

alt text Ich war immer davon ausgegangen, dass die Bügel aus Metallrohren gemacht sind. An den abgeriebenen Stellen scheinen sie allerdings massiv zu sein soweit ich das sehen kann. Um so erstaunlicher finde ich den Abrieb: Ja, Asphalt ist wie Schleifpapier, aber hier fehlen gute 3 cm massives Metall.

alt text Der Ölkühler scheint noch in Ordnung zu sein. Die Halterung ist ein wenig verbogen, lässt sich aber bestimmt begradigen. Viel wichtiger ist, dass kein Öl austritt und keine ernsten Beschädigungen zu sehen sind. Guter Sturzbügel!

Motor und Abgasanlage

An den meisten Motoren scheinen Zündkerzen an wettergeschützten Stellen verbaut zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie am Boxermotor jedes Mal innerhalb von ein paar Wochen derart verrostet sind, dass man Angst haben muss sie beim Rausdrehen abzureißen.

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Sie sehen in Ordnung aus, sofern man das nach dem Unfall noch sagen kann. Die linke Kerze ist nass, allerdings glaube ich eher, dass das vom liegenden motorrad kommt als von einem zu fetten Gemisch. Zur Referenz habe ich irgendwo mal diese Übersichtstafel gefunden:

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Als nächstes, muss die Abgasanlage runter. Die Verbindungen habe ich bereits gestern gelockert und mit reichlich WD-40 eingesprüht. Die Dichtungen sind meistens festgebacken von der Hitze und lassen sich nur mit ewigem Ziehen, Wackeln und (sanften) Schlägen mit auseinander nehmen.

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Die ganze Anlage besteht im Grunde aus drei Teilen: Dem Endschalldämpfer, einem Sammler, und den zwei Krümmern, die mit einem Inferferenzrohr verbunden sind. Abgebaut wird von hinten nach vorne. Der Endschalldämpfer lässt sich noch relativ einfach Abnehmen. Der Sammler lässt eine gute halbe Stunde an sich rütteln, trotz WD-40.

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Die Dichtungen haben ihren Namen nicht mehr verdient. Diese Metallfetzen waren mal rohrförmig mit einem leichten Kragen an der außenzeigenden Seite. BMW verlangt um die 15 Euro pro Stück, weshalb die gerne mal wiederverwendet werden, obwohl im Reparaturhandbuch steht, dass sie bei Demontage immer erneurt werden sollten. Nichts gegen vorsichtiges Herausnehmen und Wiederverwenden, aber diese Teile haben deutlich mehr als eine Reparatur mitgemacht und ich frag mich sogar, ob es überhaupt die richtigen sind. Vielleicht hat hier irgend ein Vorbesitzer auch einfach ein Stück Blech genommen.

Ich werde mal schauen, ob ich irgendwo günstiger welche auftreiben kann, diese kommen jedenfalls nicht wieder so rein und sind Altmetall.

Die Zylinderköpfe habe ich bei diesem Motorrad noch nie abgenommen und somit auch die Krümmer nicht. Diese sind bei den Boxern mit einer Sternmutter befestigt, unter der eine Metalldichtung liegt.

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Die Sternmuttern sind schön anzusehen, vor allem die der noch älteren Modellen mit längeren “Zacken”, erfordern aber ein Spezialschlüssel von BMW um gelöst zu werden, der in die Ränder einhakt. Diesen Schlüssel habe ich nicht, weshalb mein Glück von der Arbeit des Vorbesitzers abhängt. Die Sternmuttern lassen sich mit einem Dorn aus weichen Metall oder Holz und einem Hammer herausdrehen, wenn sie nicht zu fest zugedreht wurden und derjenige, der sie eingebaut hat das Gewinde mit Kupferpaste eingerieben hat. Ich würde sagen die Chance ist 5050 sie abzubekommen oder sie zu verbiegen.

Ein Blick in den Ersatzteilkatalog sagt mir Nummer 11 (Sternmutter) kostet 22 Euro. Etwas günstiger als der Stenmutterschlüssel. alt text

Ich entscheide mich also es mit Vorsicht zu probieren, ein Versuch ist es wert. Um meine Chance etwas zu verbessern, hab ich Stellen über Nacht in Rostlöser getränkt lösen lassen. Ich setze ein Stück hartes Holz an und versuche die Mutter langsam loszuklopfen. Es tut sich gar nichts. Ich versuche die Mutter mit einem Gasbrenner etwas warmzumachen und mit noch mehr Rostlöser zu bearbeiten und tatsächlich, sie dreht sich!

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Sie geht ab, allerdings ist ein Zacken etwas verbogen. Ärgerlich, aber vielleicht lässt er sich begradigen. Bei der anderen Seite das gleiche Spiel, allerdings ohne Erfolg. Die Mutter bewegt sich kein Stück und alles, was ich jetzt noch machen könnte, wird mich genau 22 Euro kosten. Da die erste Mutter keine Anzeichen von Kupferpaste zeigt, glaube ich nicht, dass ich viel Glück bei der zweiten haben werde, wenn sie so fest sitzt. Ich ärger mich, gehe einen Kaffe trinken und füge den Spezialschlüssel in den Warenkorb hinzu für die Bestellung.

Bis ich hier weitermachen kann, muss ich also noch was warten. Aber ich kann schonmal unter den Motor schauen, jetzt wo der Sammler weg ist.

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Ölwanne, Haupständer, Getriebe und Rahmen sind vollkommen Ölverschmiert. Der Motoröl-Straßendreck-Matsch lässt nicht mehr genau erkennen, wo es überall raussuppt, aber es scheinen mehrere Dichtungen versagt zu haben. Die Ölwanne ragt unter das Getriebe, indem der Leerlaufschalter sitzt. Diese Schalter werden gerne undicht, was auch hier der Fall zu sein scheint. Auch die Stößeldichtungen verlieren sichtbar Öl und müssen erneuert werden.

Hinterradbremse

Zeit die Hinterradbremse auseinanderzuhehmen. Das Hinterrad ist bereits ausgebaut.

Die alten BMW Motorräder werden oft dafür gelobt “durchdacht” zu sein. Sie sind sehr einfach aufgebaut und bei den Boxermotoren kommt man fast überall gut dran, um Reparaturen zu machen. Ein kleines Detail, was mir schon öfter aufgefallen ist: Die Ingenieure haben den Haupständer so angebracht, dass sich das Motorrad in der Waage befindet. Man könnte meinen es ist selbstverständlich, aber es ist das einzige von den Fahrzeugen die ich besessen haben, bei dem es so ist. Ist das Motorrad aufgebockt, kann man so sowohl Vorder- als auch Hinterrad ausbauen, ohne eine Hebebühne oder sonstige Fixierung zu benötigen. Das macht einen Radwechsel am Straßenrand sehr viel einfacher. Ich schätze solche Kleinigkeiten an der GS.

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Der Nehmer-Hebel für die Trommelbremse ist vom Unfall verbogen. Ich könnte ihn wahrscheinlich geradebiegen, aber bei dem Teil ist mir das nicht geheuer. Wenn er einen Riss hat und später bei einer Bremsung bricht, könnte das böse enden.

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Der 0,04 kg schwere Bremshebel hat einen stolzen BMW-Preis von 57 Euro. Zum Glück hab ich einen gebrauchten für ein Drittel des Preises finden können. So schön es ist an alten BMW-Motorädern zu schrauben, die Preise für die Erstazteile tuen weh.

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Für die Bremsbeläge der Trommelbremse sind bei meinem Händler zwei verschiedene Größen gelistet für mein Motorrad: 25 mm und 27,5 mm. Ich weiss nicht, ob das ein Fehler ist oder es wirklich zwei Versionen gab, aber meine sind eindeutig 27,5 mm breit.

Lenker, Schalter und Instrumente

Als letztes für heute möchte ich den Lenker abbauen und schauen, ob er verbogen ist. Das ganze Geraffel an Kabeln und Zügen muss dazu runter.

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Choke-, Gas und Kupplungszüge werden ausgehängt, der Kupplungszug auch unten sonst ist er kaum aus dem Griff zu bekommen. Brems- und Kupplungshebel sahen sich auch schon mal ähnlicher.

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Die rechte Griffeinheit mit Gasgriff hat einen Riss im Metall. Ich bin mir noch unsicher, wie schlimm das ist. Der Gasgriff dreht über ein Zahnrad die Züge, wenn hier etwas nicht mehr passt rutschen die Zähne möglicherweise durch. Aber das untersuche ich später, erstmal alles ab.

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Die Griffgummis lassen sich mit Druckluft oder Öl leichter ab- aufziehen. Wobei Luft den Vorteil hat, dass es danach wieder fest sitzt und nicht rutscht. Ich werde die Gummis sowieso ersetzten also mache ich mir keine Mühe und nehme einfach WD-40.

Der Drehzahlmesser ist im Weg und kommt direkt mit ab. Das Gehäuse ist gebrochen, aber ansonsten schaut er gut aus. Ich denke ich werde es kleben können. Die Kabel werden beschriftet, damit ich später nicht raten muss.

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Damit ist der Lenker dann auch ab. Mit einem Zollstock lässt er sich auf ebenen Grund nachmessen, allerdings ist das hier kaum nötig, da die Verformung offensichtlich ist. Der lenker ist in zwei Achsen um mehr als 2 cm verbogen. Wahrscheinlich ließe er sich noch irgendwie gerade biegen, aber ich glaube, ich werde es nicht symmetrisch hinbekommen. Der Lenker ist sowieso eins der Teile, welches ich schon immer tauschen wollte. Die Form fühlt sich nicht optimal an, ich kann nicht genau sagen, ob es die Höhe oder der Winkel ist, aber trotz verschiedener Einstellungen war ich nie ganz zufrieden. Zudem hat mich schon immer die Querstrebe genervt. Ich schätze, das ist Geschmackssache, aber sie stört beim Bedienen von Zündung und Instrumenten und ist zu dünn für den Griff von meinem Navi, sodass ich es nicht mehr mittig montieren kann.

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Bestellt habe ich den Magura AX2 Lenker. Er hat ein Gutachten vom Tüv und wird oft für die GS empfohlen. Erforderlich dazu ist ein Adapter für die Klemmen, da er konisch ist, mit 28 mm in der Mitte und 22,2 mm wie gehabt an den Enden, damit die alten Griffeinheiten noch passen.

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Nun heisst es auf Ersatzteile warten.

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